Archiv für den Tag: 19. Dezember 2011

Ollanta – vertikales Leben in den Anden

Nach dem Highlight Machu Picchu haben wir heute einen relativ ruhigen Vormittag in Ollantaytambo verbracht und „nur“ die Ruinen oberhalb des Ortes besichtigt. Besser gesagt, einen Teil des kostenlos begehbaren Teils davon. Ollanta liegt in einer Talsohle, und auf den Bergen rundherum ziehen sich überall terrassierte Anlagen aus der Inkazeit in die Höhe. Der Ausblick ist spektakulär, selbst wenn man nur eine Viertelstunde den Berg hinaufsteigt. Der restaurierte Teil der Anlagen ist eine Festung, von der aus der letzte Inka-Herrscher einen der wenigen erfolgreichen Kämpfe gegen die spanischen Eroberer geführt hat; daneben und darüber erstrecken sich weitere Terrassen, auf denen vermutlich vor allem Felder und Gärten lagen.

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Wie ich in einem sehr schönen Bildband vorgestern gelesen habe, waren die Städte der Inkazeit vertikal organisiert, damit die Einwohner Früchte aus verschiedenen Klimazonen nutzen konnten – von kälteunempfindlichen Kartoffeln (200 Sorten stammen aus Peru) über Quinoa bis zu tropischen Pflanzen wie Kakao. Zwischen Ollanta und Cuzco gibt es sogar eine landwirtschaftliche Experimentierstation aus der Inkazeit, in der eine Art Amphitheater aus Beeten in das Feld eingelassen ist, in dem die Inka-Forscher die verschiedenen Klimazonen ihres Reiches en miniature nachahmten. Kein Wunder, dass die peruanische Küche zu den vielfältigsten der Welt zählt.

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Wir ließen diese Sehenswürdigkeit allerdings aus und nahmen ganz normal den Minibus, der auf direktem Weg von Ollanta nach Cuzco fährt. Die Fahrt an sich ist schon spektakulär genug. Attilas Handy zeigte, dass wir bis auf ca. 3700 m Höhe fuhren (bei der Hinfahrt war mir durch die schnellen Höhenunterschiede schon etwas mulmig, auf der Rückfahrt ging es). Man sieht schneebedeckte Gipfel, steile Hänge, an denen sich Agaven und Kakteen an den Fels klammern (die werden mir in den Alpen auf jeden Fall fehlen!), weiter unten Hügel mit Feldern, auf denen Mais wächst und Rinder und Schafe weiden (die gab es bei den Inkas noch nicht, die hatten stattdessen immer ein paar Meerschweinchen griffbereit auf dem Küchenboden herumwuseln). Die Häuser sind klein, zum großen Teil nicht verputzt, alles sieht eher ärmlich aus, aber die Leute wirken fröhlich. Viele laufen in traditioneller Tracht herum, die wir auf der Fahrt von Nahem bewundern konnten, denn in unserem Bus fuhren einige Damen mit Zylinder, langen Zöpfen, bunten Strickjacken und weiten Röcken mit. Unser Minibus lieferte sich ein Wettrennen mit anderen Bussen und setzte uns nach ca. anderthalb Stunden wohlbehalten in Cuzco ab. Heute Abend ist weiterhin Entspannung angesagt, und morgen früh fliegen wir dann zurück nach Lima. Eine neue Herausforderung liegt vor uns: eine große, unbekannte Stadt und – nach 4 Tagen leichtem Gepäck – ganze 4 Rucksäcke voll Sachen 😉