Archiv für den Tag: 20. Dezember 2011

Wunderheilung des höhenkranken Netbooks

In den letzten 24 Stunden schien alles schiefzugehen – und doch ist nun alles wieder gut. Statt eines entspannten Transit-Tages haben wir ziemlich viel Stress hinter uns, dafür aber auch viel Schönes erlebt.

Aber von vorn: Gestern Abend in Cuzco gingen wir nach zwei Pisco Sour (kostenlos im Hostel) gut gelaunt ins Zimmer. Ein letzter Online-Check vorm Schlafengehen? Fehlanzeige: Unser kleiner Reise-Laptop, der uns nun zwei Wochen lang treu begleitet hat, gab plötzlich den Geist auf. Ein paar letzte Quietscher, und nichts ging mehr. Auf der Festplatte: Mehrere Hundert Fotos aus Mexiko und Peru, die wir noch nicht anderweitig gesichert hatten.

Nach einer sorgenvollen Nacht ging der Morgen gleich mit schlechten Nachrichten weiter: Die Fernsehnachrichten im Frühstücksraum machten mit einer Explosion in Miraflores auf, dem Viertel von Lima, wo wir am gleichen Abend übernachten würden. Und die Fluglotsen kündigten einen landesweiten Streik vom 22. bis zum 24. Dezember an.

Ach ja, und unser Taxi zum Flughafen verspätete sich und wir nahmen aus Versehen den Hotelschlüssel mit zum Flughafen.

Habe ich erwähnt, dass heute Attilas Geburtstag ist? Nach Feiern war uns nicht so recht zumute.

Wenigstens verlief der Flug von Cuzco nach Lima problemlos (trotz Sitzreihe 13), und ein (verspäteter) Abholservice brachte uns in unser schönes Hotel. Am frühen Nachmittag brachten wir dann das Netbook zum Arzt: einem Computerspezialisten im Zentrum von Lima, den ich am Morgen noch von Cuzco aus recherchiert hatte (dem Hostel mit seiner kostenlosen Computernutzung sei Dank). Die Suche (mit einem ahnungslosen, aber sehr bemühten Taxifahrer) dauerte etwas länger, aber der Laden erweckte sofort unser Vertrauen: ein 10-qm-Kiosk in einer kleinen, etwas schmuddligen Marktpassage voller Second-Hand-Buchläden und winzigen Technikbuden, so wie wir es auch von unserer Zeit in Peking gewohnt sind. Und der Computerfachmann erwies sich als Wunderheiler: Kaum klappten wir das Netbook auf seinem Tresen auf und drückten den Startknopf, fuhr Windows hoch, als wäre nie etwas gewesen!!!

Mit viel Gelächter erklärte uns der Maestro, dass dieses Phänomen in Peru ganz normal ist: Viele Computer streiken, wenn sie auf Höhen von über 3500 m benutzt werden sollen. Unser Netbook hatte die dünne Luft von Cuzco einfach nicht mehr vertragen! Da wir uns die nächsten Wochen in sicherer Nähe zum Meer aufhalten werden, dürfte das Problem nun nicht mehr auftauchen. Um unsere kostbaren Fotos aber nicht wieder zu riskieren, sicherten wir gleich vor Ort noch alles auf Speicherkarte und USB-Stick und unterhielten uns währenddessen noch recht lustig mit dem Computerfachmann (in unserem improvisationsreichen Spanisch) und mit seinem jüngeren Bruder, der gern sein Englisch üben wollte.

Danach konnten wir endlich zu Kaffee, Kuchen und Kirchenbesichtigungen übergehen. Nach einem vollgepackten Nachmittag in der Altstadt sind wir nun entspannt wieder im Hotel. Mehr zu Lima und seinen Sehenswürdigkeiten folgt morgen – wenn das Netbook brav wieder anspringt 😉