Archiv für den Tag: 10. Juni 2012

Skanderbeg – der albanische Volksheld

Auf dem kurzen Stück von Shkodra nach Tirana stand dieses Mal die albanische Geschichte im Mittelpunkt. In den drei besuchten Orten Lezha, Kruja und Tirana dreht sich zwar nicht alles, aber vieles um Skanderbeg. So stellt sich doch mal die Frage: Wer war Skanderbeg eigentlich und hat er auch eine europäische Bedeutung oder ist er nur ein regionaler Held?

Also hier der unvermeidliche kurze geschichtliche Abriss. Skanderbeg lebte von 1405 bis 1468, und berühmt wurde er durch seinen Kampf gegen die Osmanen, die Albanien zeit seines Lebens nicht einnehmen konnten und erst 10 Jahre nach seinem Tod das Land vollständig unter ihre Kontrolle bringen konnten. Diese ruhmreiche Tat brachte dem Stammesfürsten den Titel Athleta Christi von seitens des Papstes ein, da er sich für die militärische Verteidigung des Christentums erfolgreich eingesetzt hat. Für die Details über Skanderbeg empfehle ich am besten einen schnellen Blick in Wikipedia.

Unsere erster Stopp führte uns nach Lezha, das eine dieser merkwürdigen Sehenswürdigkeiten beheimatet, die eine hohe geschichtliche Bedeutung haben (sprich das Grab von Skanderbeg), auf der anderen Seite aber so nichtssagend sind, dass man auf jeden Fall nichts verpasst, wenn man nach 10 Minuten weiterfährt ;-). Die Gedenkstätte besteht aus einer Kirchenruine mit einer Gedenktafel und einem darübergeklotzten Betondach, so dass das das gesamte Ensemble einfach nur … hässlich aussieht.

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Nun gut, wir wollen ja hier nicht über Geschmack streiten, deshalb  auf nach Kruja. Dieser Ausflug lohnt sich auf jeden Fall. Hier steht hoch oben auf einem Berg die Festung, die Skanderbeg als erstes eingenommen hat und von wo aus er seinen Kampf gegen die Osmanen führte. Hier steht auch für alle Enthusiasten das Skanderbeg-Museum, das alle Informationen zu Skanderbeg sammelt und der interessierten Welt zu Verfügung stellt. Da wir nicht ganz so versessen sind, beschränkten wir uns bei der Besichtigung von Kruja auf die schön restaurierte Bazaarstraße und das Ethnografische Museum innerhalb der Festung, das ein komplett erhaltenes osmanisches Haus aus dem 18. Jh. zeigt. Sehr eindrucksvoll und anschaulich. Aber zu osmanischer Baukunst komme ich dann in Berat noch einmal 😉

So, nach soviel Trockenheit zum feuchtfröhlichen Abschluss in Tirana. Um bei der Überschrift zu bleiben, erst einmal der Hinweis, dass der Hauptplatz in Tirana Skanderbeg-Platz heißt und von einer überlebensgroßen Reiterstatue des Helden geprägt wird. Tirana ist eine spannende Hauptstadt: Keine alten Gebäude, keine alten Kirchen oder Moscheen (ok eine Ausnahme), da im Zuge der Atheismus-Bewegung die Haupstadt komplett von religiösen Gebäuden gesäubert wurde. Auch sonst gibt es wenige Sehenswürdigkeiten, die einen zweiten Tag rechtfertigen, außer man möchte ausführlich die Museen besichtigen, die allerdings von Sonntagmittag bis Dienstagfrüh geschlossen sind, also fiel das für uns gleich mal flach. Auf der anderen Seite erwacht die Stadt nach und nach aus ihrem Dornröschenschlaf und es gibt – neben einigen recht schönen Parks – erste Ausgehviertel, in denen man sich von Bar zu Bar oder von Straßencafé zu Straßencafé hangeln kann.

Zum Glück fanden wir eine kleine Barstraße direkt hinter unserem Hotel und mischten uns wieder mal unter die Menschenmenge, die mit Begeisterung dem Fußballspiel Spanien gegen Italien folgte. Da Deutschland ja nicht am Start war, lagen die Symphatien dieses Mal eindeutig auf Seiten der Italiener und die ganze Bar war mit Feuereifer dabei und freute sich über jede halbwegs gelungene Aktion.

So, ich geh dann mal wieder an meine Melone, heute für 1,50 Euro auf dem Markt Beute gemacht und jetzt ist sie schlachtreif.

Viel Spaß und bis morgen in Berat!

Über die Pässe des Balkans ins unbekannte Albanien

Auf dem Weg von Dubrovnik nach Albanien liegt noch ein kleines Land, das die geringe Größe durch eindrucksvolle Naturschönheiten wettmacht – Montenegro. Der Fjord von Kotor bietet ein eindrucksvolles Schauspiel, das man nicht nur umfahren, sondern auch mit der Fähre überqueren kann. Und wenn man Passstraßen als Autofahrer mag, wartet in Kotor eine besondere Herausforderung auf den Fahrer: der Bergpass nach Cetinje. Eine Haarnadelkurve an der anderen und das auf einer Straße, die meist nicht breiter als das eigene Auto ist. Das ganze garniert mit Ausflugsbussen, die in manchen der Kurven rangieren müssen, um überhaupt rum zu kommen ;-). Die Belohnung. Einmalige Ausblicke auf die Bucht von  Kotor. Ein einmaliges Erlebnis, das einen nach der Adria und den Festungsstädten Dubrovnik und Kotor auf eine Almhochfläche bringt, die einen Vergleich mit den Alpen nicht scheuen muss.

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Nach diesem Highlight steigt man vom Pass herab und fährt über Podgorica – ja, so heißt die Hauptstadt von Montenegro – in Richtung albanische Grenze. Man merkt, dass bis weit in die 90-er die Welt hier zu Ende war. Die Straße, die zur Grenze führt, ist ein asphaltierter Feldweg, der erst vor einer Woche zu einer richtigen Staße ausgebaut wurde. Auch der Verkehr ist recht übersichtlich, und unvermittelt steht man am Grenzübergang Hani i Hotit. Die Abfertigung ist ziemlich direkt, dieses Mal brauchen wir die Grüne Versicherungskarte und die Fahrzeugpapiere. Aber keine weiteren Probleme. Alles in Ordnung, und los geht es nach Albanien!

Und das Land begrüßt einen gleich mit einer Schotterpiste und Schlaglöchern in Kleinwagengröße, doch auf einmal breit asphaltierte Straße – juhu, los gehts … doch nach wenigen 100 m auf einmal wieder Schotterpiste … und so ging es die ersten 10 km hin und her, mal hü mal hott, ohne erkennbaren Grund, warum hier mal ein Kilometer Asphalt und da auf einmal 2km Schotterpiste ist. Aber danach war die Straße für die letzten Kilometer durchgehend mit Asphalt überzogen und breit genug für vier Autos … nur noch die Schilder mit Tempo 30 störten etwas … na ja, mal vorsichtig eine passende Geschwindigkeit suchen und dann als guten Kompromiss auf die doppelte Geschwindigkeit geeinigt. Vor allem war ich damit immer noch das langsamste Fahrzeug auf der Straße. Kein Wunder, ich fahr ja auch nur ein Ford und alle anderen hier Mercedes. Als ich zum ersten Mal las, dass in Albanien die höchste Dichte an Mercedesfahrzeugen sein soll, habe ich nur gelacht, aber es ist wirklich so: Vor allem die älteren Schätzchen, besonders der gute alte 200D, verrichtet hier unvezagt seinen Dienst auf der Rüttelpiste.

Sowieso sind die Leute sehr positiv auf alles Deutsche zu sprechen. Auch beim Public Viewing (EM Deutschland gegen Portugal) heute Abend waren alle um uns herum auf deutscher Seite und (unfassbar mitten in Shkodra) es gab Autokorsos mit deutschen Fahnen und allem was dazugehört – Wahnsinn, hätte ich so nicht erwartet.

Aber zurück zu Shkodra. Die Stadt hat an sich wenige Sehenswürdigkeiten außer der Festung Rozafa, die aber zu sehr ungünstigen Zeiten offen hat. Deshalb werden wir sie morgen auch nur aus der Ferne bestaunen. Aber in der Innenstadt gibt es eine kleine Fußgängerzone, in der sich eine Kneipe an die andere reiht und wo abends flaniert wird. Natürlich stand heute das Thema Fußball im Vordergrund, aber die Damen flanierten im dünnen Kleidchen und High Heels an den Jungs vorbei. Wie kommt unser Reiseführer eigentlich auf die Idee, dass Frauen hier eher konservativ angezogen sind? Unser Abend war auf jeden Fall ein Highlight: Wir saßen mit mehreren albanischen Studenten zusammen, von denen einer fließend Italienisch und der andere einigermaßen Englisch konnte, und gemeinsam hatten wir viel Spaß – eigentlich war das Spiel da fast schon Nebensache. Aber zum Thema Shopping, Stylingtyps und Beziehung über Konfessionsgrenzen hinweg darf meine Typberaterin Claudia später noch einen Blog verfassen … bis dahin viel Spaß 😉