Archiv für den Tag: 12. Juni 2012

Osumi River Rafting

Heute stand im Gegensatz zu den historischen Betrachtungen der letzten Tage der sportliche Aspekt im Mittelpunkt. Rafting durch den Canyon des Osumis soll eines der schönsten Rafting-Erlebnisse Europas sein. Also standen wir morgens um 9 bereit, um loszufahren. Aber bis zu diesem Zeitpunkt war niemand bereit, Auskunft zu geben, ob meine Eltern (beide 75 Jahre alt, aber fit!) mitfahren können oder ob es doch zu gefährlich ist. Schlussendlich, nach einigem Palaver und hin und her, sprach der Präsident des albanischen Rafting-Verbands (sprich der Ausrichter der Tour) ein Machtwort. Normalerweise werden keine Personen über 55 Jahre mitgenommen, aber bei Deutschen machen wir eine Ausnahme, die sind wie ein guter Mercedes auch im Alter noch leistungsfähig und sehr disziplinert (ok ich hab die Aussage ein bisschen freier formuliert, aber das war die Essenz des Ganzen). Ach übrigens, die ganze Diskussion lief natürlich auf Italienisch, aber dank Claudias Sprachtalent war das alles gar kein Problem.

Also ging es los: 1,5 Stunden auf albanischen Buckelpisten bis zur Einstiegsstelle. Die letzten 16 km entlang des Canyons war die Straße nur noch mit Geländewagen befahrbar und wir machten da schon mal ein bisschen Straßenrafting, mit Blick in die Schlucht, auf unerschütterlich fahrende Mercedesse und Esel, die kaum zwischen den Heubergen hindurchschauen konnten, die auf sie gepackt waren. Am Anfang des Canyons angekommen wurden wir in Neopren gepackt, mit Schwimmwesten und Helmen ausgestattet, instruiert und dann im Boot verteilt. Mein Vater musste paddeln, aber mein Mutter saß mittig hinten im Boot wie die Queen bei der Bootsparade auf der Themse und konnte die Fahrt entspannt genießen.

Der Trip dauerte drei Stunden und war wirklich ein Highlight: Der Canyon ist wunderschön, man sieht ständig tolle Felsformationen und -schichtungen und kommt an mehreren Wasserfällen vorbei, unter die man auch mal getaucht wird. An der engsten Stelle ist der Canyon so breit wie das Boot und man muss das Boot mit den Händen an der Wand entlangschieben. An einer anderen Stelle machten wir Pause und bekamen ein Picknick.

Meine Eltern hatten unheimlichen Spaß an der Fahrt, die in keinster Weise zu gefährlich oder zu anstrengend war. Ich muss hier noch einschieben, dass der Fluß schon relativ wenig Wasser führte und die Saison sowieso in zwei Wochen zu Ende geht. Vor einem oder zwei Monaten wäre die Fahrt deutlich unruhiger gewesen und dann für meine Eltern auch nicht durchführbar. Aber jetzt im Juni war der Wasserstand für Raftinganfänger genau richtig und jeder hatte einen Riesenspaß.

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Nachdem wir durch das bisschen Raften und Hin-und-Her-Gefahre ja nicht ausgelastet waren, mussten wir am Abend noch den Burgberg besteigen. OK, den größten Teil erledigten wir mit dem Auto, aber der Rest war immer noch sehr steil. Der Stadtteil, der sich in der Burg befindet, ist vor allem durch seine Kirchen berühmt. Zu Spitzenzeiten gab es über 40 Kirchen innerhalb der Festungsmauer, die eine Fläche von höchstens 200m x 200m umfasst. Eine der wenigen Kirchen, die heute noch erhalten sind, ist als Museum zu besichtigen. Und es war auf jeden Fall nach einmal die Mühe wert. Die reiche Ausstattung der Kirche an Schnitzwerk und Ikonen (viele gemalt vom albanischen Künstler Onufri, nach dem sogar ein Rotton benannt wurde) ist nochmal ein eindrucksvolles Erlebnis. Auch die restliche Burg ist beeindruckend mit ihren verwinkelten Gassen und weißen Häusern …

Die Stadt Berat hat mit ihrem historischen Stadtkern und ihren Outdoormöglichkeiten ein großes touristisches Potenzial, und ich kann jedem uneingeschränkt empfehlen, hier einmal herzufahren.

So, jetzt widmen wir uns mal dem vorzüglichen Essen im Hotel – heute gönnen wir uns viele verschiedene warme Vorspeisen und eine lokale Fleischspezialität!

Hmmm … vielleicht wag ich es morgen mal, über das tolle Essen in Albanien zu schreiben … schaun wir mal! 😉