Albanien: Offen, freundlich und entspannt

Nach einer Woche Buckelpistefahren und Blogschreiben hat Attila frei, und es liegt mal wieder an mir, über Mode- und Stilbeobachtungen aus fernen Ländern zu referieren.

In einem unserer (ziemlich neuen) Reiseführer wird behauptet, albanische Frauen würden sich konservativ kleiden, allzu freizügige Kleidung sei verpönt. Dazu drei Wörter: Das ist Quatsch. Klar, ältere Frauen auf dem Land laufen zum Teil mit Rock, Jacke und Kopftuch herum, aber man sieht in Albanien auch nicht mehr von diesen Frauen als z. B. in München. In den Städten können sich die Frauen gar nicht luftig genug kleiden. Bei den vielen schönen (und kurzen) Sommerkleidern, die am Montag in Tirana an mir vorbeigetragen wurden, wäre ich am liebsten sofort shoppen gegangen – als outdoorpräparierte, neutralitätsbemühte Deutsche habe ich mal wieder hauptsächlich Trekkinghosen, T-Shirts und lange Blusen dabei. In Shkodra auf der Public-Viewing-Meile sahen die Männer Fußball, während die Frauen gürtelbreiten Röcken und mit sensationellen Absätzen an ihnen vorbeiflanierten. Ich hatte eine muslimische 20-Jährige neben mir sitzen, die ein ultraknappes Top und eine superkurze Latzhose trug, und ihr katholischer Freund erklärte mir stolz, dass es in Shkodra die schönsten Frauen des Landes gebe. Und in jede Moschee, die wir offen vorfanden, wurden wir vom Wächter freundlich hereingewinkt, noch lange bevor ich mein Kopftuch aus der Handtasche hervorgekramt hatte (es ist inzwischen ganz unten im  Trolley gelandet).

Wir begegnen hier überall freundlichen, weltoffenen Menschen, viele sprechen fließend Italienisch, manche Englisch, Deutsch oder ein paar Brocken Türkisch, so dass wir immer wieder ins Gespräch kommen. Wenige Wörter oder Gesten können reichen, um sich gemeinsam zu freuen – vorgestern im Burgbezirk von Berat, eine Gruppe Frauen mit Baby  lagert am Wegesrand und fragt uns: „Anglez?“ (Seid ihr Engländer?) – „Gjerman“, antworte ich, und sofort zeigen sie mit dem Daumen nach oben, lachen und sagen „Futboll! Goal!“

Enver Hoxha hat das Land abgeschottet und mit Tausenden Bunkern ausgestattet, die heute noch die Landschaft zieren (auf einem unserer Fotos sieht man einen, schön gelegen im Olivenhain, Italien und Korfu fest im Blick). Über Jahrzehnte war der Kontakt zum Ausland offiziell verboten, und für mich war Albanien ein weißer Fleck auf der Landkarte, vollkommen ohne Assoziationen. In den wenigen Tagen, die wir nun hier sind, fühle ich mich hier ausgesprochen wohl und habe mich mehr Stunden mit Einheimischen  unterhalten als in allen bisherigen Italien-Urlauben zusammen. Wir sind weder beraubt worden noch übers Ohr gehauen, kein Mensch interessiert sich dafür, unser Auto zu klauen … stattdessen gibt es überall nette Begegnungen und viel zu lachen. Und natürlich eine sensationelle Landschaft, super Wetter und gutes Essen … da lasse ich die Bilder für sich sprechen, heute von einem Entspannungstag am Strand von Lukova!

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2 Gedanken zu „Albanien: Offen, freundlich und entspannt

  1. KlaDoMaPa

    Vielen Dank für die wunderbaren Berichte, welche Fülle an Eindrücken -und die schönen Bilder … Gruß KlaDo

    Antworten

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