Auf der Suche nach den Delfinen

Unsere letzte Station auf unserer Reise um die Welt ist eine kleine Lodge an der Ostküste von Zanzibar. Die Lodge ist, im Gegensatz zu den italienischen Resorts zur linken und zur rechten, einheimisch geführt. Die Zimmer sind einfach, aber freundlich eingerichtet, die Lounge-Area ist liebevoll angelegt und hat einen wunderschönen Blick über das Meer.
Nachdem wir gestern auf dem Weg hierher von Stonetown eine Gewürzplantage besichtigt haben, die ich in einem separaten Eintrag beschreiben will, sind wir noch ganz entspannt am Strand spazieren gegangen.

Für heute hatten wir uns einen Ausflug mit Delfinschwimmen vorgenommen. Wir konnten uns einem weiteren deutschen Gast und dem Mitbesitzer des Hotels anschließen. Aufgrund der Gezeiten und der Gewohnheiten der Delfine mussten wir schon um 6:30 aufbrechen. Egal, wir sind das ja schon gewohnt, also den Wecker auf 5:45 gestellt und um 6 zum Frühstück aufgeschlagen. Das Frühstück bestand aus einem leckeren Früchteteller mit Mango, Banane, Papaya und Melone, alles in einer Güte, wie wir sie in Deutschland niemals bekommen, dazu Toast mit Spiegelei. Wie üblich dauerte alles ein bisschen länger, aber um kurz vor 7 waren wir im klapprigen Geländewagen des Chefs unterwegs, natürlich auch mit jeder Menge Unterstützung von Reggae-Musik, die in Insellautstärke durchs Auto schallte. Nach 1,5 Stunden Fahrt durch Plantagen und kleine Ortschaften kamen wir in Kizimkasi am Südende Zanzibars an, von wo die Touren starten. Dort wartete schon der Fischer mit seinem Bootsjungen, die uns mit Schnorchel und Flossen ausstatteten und dann zu ihrem Boot brachten. Das Boot war vom Typ Ruderboot mit Außenborder, in dem wir 6 Personen bequem auf den Sitzbrettern Platz hatten. Kein Schatten, kein Schutz vor der Gischt, Naturerlebnis pur halt. Und so tuckerten wir los durchs tiefblaue Wasser, immer auf der epischen Suche nach den Delfinen. Zuerst suchten wir sie auf der linken Seite der Bucht, ohne viel Erfolg, so dass wir uns entschlossen, näher am Riff erst einmal eine Runde schnorcheln zu gehen – alles sehr schön, aber ohne jedes Zeichen von Delfinen. Unser Kapitän stand währenddessen in ständigem Kontakt mit der Handvoll anderer Boote, die auf der Suche nach Delfinen waren. Sprich das Handy war ständig am Ohr oder es klingelte, aber irgendwie waren die Delfine nicht zu sehen. Nach unserer kurzen Schnorchelpause tuckerten wir wieder los in die ungefähre Richtung, wo eigentlich immer Delfine sind. Und da auf einmal kam der Anruf: Delfine gesichtet, zwar nicht da, wo wir sind, aber woanders. Ab diesem Zeitpunkt verwandelte sich unser Bötchen in ein Schnellboot. In atemberaubender Geschwindigkeit preschten wir über die Wellen, dass alle Insassen kräftig geduscht und durchgeschüttelt wurden. Aber der Junge stand unberirrt vorne im Boot und gab Richtungsanweisungen, die für uns völlig unklar blieben, außer das wir uns von der Küste Afrikas doch eindeutig entfernten. Nach einer gefühlten Stunde halsbrecherischen Fahrt sichteten wir andere Boote, deren Insassen uns versicherten, ja es gibt Delfine, also weiter .. die Küste verschwand langsam im Dunst, die Seychellen tauchten aus dem Meer auf (OK Fata Morgana oder Halluzination) … und wir waren immer noch auf der Suche. Und dann auf einmal sahen wir sie, äh es waren erst mal fliegende Fische, ok beeindruckend, aber noch nicht das Wahre, also weiter durch die Wellen … und als wir schon nicht mehr daran glaubten, sahen wir sie: eine ganze Schule Delfine, und schon kam das Kommando des Kapitäns: Schnell Masken auf, bereithalten, und sobald wir in der Nähe der Flossen waren: Jump! Wie, wir müssen mitten auf dem riesigen Ozean den Delfinen so flugs hinterhechten? Nicht mit Claudia, langsam fängt man seinen Delfin. Es entwickelte sich ein halbstündiges Katz- und-Maus-Spiel mit den Delfinen, dem Boot und uns. Immer wieder rein ins Wasser oder rein ins Boot und weitertuckern, wobei das schnelle Zurückklettern gar nicht so einfach war bei dem Wellengang, der schrägen Bordwand und einer winzigen Leiter. Aber wir haben es alle geschafft: Wir waren mitten unter den Delfinen mehrmals im Wasser und konnten sie über und unter Wasser beobachten. Es war ein beeindruckendes Erlebnis, wie sie um uns herum schwammen oder tief unter uns durchtauchten. Mit Worten ist das kaum zu beschreiben. Sie fühlten sich von uns auch gar nicht gestört, da vielleicht mit den anderen Booten zusammen 10 Leute im Wasser waren und mindestens 50 Delfine um uns herum schwammen. Auch Claudia hat (dank Toskana-Pooltraining) den Schnellsprung ins Wasser geschafft und mehrere Delfine live und in Farbe erlebt.

Auf dem Rückweg wurden wir erst im Boot und dann im Auto noch mal kräftig durchgeschüttelt, aber das war uns egal – wir waren immer noch völlig hin und weg von dem tollen Erlebnis, das wir jetzt in unserer Lounge mit Blick auf die Wellen (aus sicherer Entfernung) verdauen werden 😉

Ein Gedanke zu „Auf der Suche nach den Delfinen

  1. Sandra (staksl)

    Hallo Ihr Beiden,

    wisst Ihr eigentlich, dass Ihr mich mit Euren tollen bunten Berichten immer wieder fasziniert? Im Grunde sollte ich in der Vollhektik sein – aber nein! Neue Erlebnisse for us, einen les’ich schnell… und dann noch den nächsten ,,, und noch einen… o.k. dran klebengeblieben. Eigentliche Abendplanung über den Haufen geworfen…

    Kompliment, Eure Berichte sind soooo interessant und kurzweilig zu lesen, egal über welche Etappe – genial! Vieeelen Dank!

    Ganz liebe Grüßle und genießt schön weiter,
    Sandra

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