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Voskopoja – orthodoxe Kirchenvielfalt

Nach der schweren Etappe von gestern hatten wir uns heute einen eher ruhigen Tag verdient. Zu diesem Zweck haben wir uns das Dorf Voskopoja als Ausflugsort in der Nähe von Korça ausgesucht. Der Ort war im 19. Jh. eines der wichtigsten Handelszentren auf dem Balkan und hatte mit ca. 20.000 bis 60.000 Einwohnern eine ähnliche Stellung wie Sofia oder Athen. Aber wie immer streiten sich hier die Gelehrten und je nach Auslegung war die Stadt mal größer, wichtiger und schöner oder auch nicht.

Für uns macht das heute kaum noch einen Unterschied: Vom damaligen Ruhm ist nach mehreren erfolgreichen Brandschatzungen des Ortes fast nichts mehr übrig. Damals gab es im Ort 24 Kirchen (2 pro Stadtteil), davon sind heute nur noch eine Handvoll übrig. Auch die Einwohnerzahl liegt mit wenigen 100 mehr im dörflichen Bereich, aber erste Ansätze eines neuen Aufblühens sind heute im Dorf zu erkennen.
Aber wie immer greife ich mächtig vor, denn vor den Preis hat man nun mal den Fleiß gesetzt, soll heißen: Wie komme ich mit Auto unbeschadet da hin? 😉

In unserer Pension (renovierte Stadtvilla aus dem 19.Jh), die wir für uns alleine haben, fragten wir die Wirtin beim Frühstück nach dem Weg. Kurzer Einschub Frühstück ;-): Einer einer der schönsten Frühstücksräume, die ich je gesehen habe, erwartete uns heute morgen, ein Gewölbekeller mit offenem Herdfeuer und uriger Einrichtung. Zum Frühstück gab es dann, neben reichlich Brot, Käse und Kirschenmarmelade, auch noch Obst sowie als lokale Spezialitäten salzigen Porridge mit Käse und mit Käse gefüllte Crepes, die als Rosenblüten gedreht waren … lecker!

So, zurück zur Wegbeschreibung durch die Wirtin. Die war so knapp wie simpel: “There is a sign, you follow it, the road is good.” Also wir los … erst mal wie immer kein Schild gefunden und dann zweimal zwischen Basar und Busbahnhof verfranst, aber dann waren wir auf einmal auf der richtigen Straße … Ihr erinnert euch, “good road” … na ja albanische good road, war schon irgendwie geteert, aber mit mörderischen Schlaglöchern auf den ersten 8 km gespickt. Im Ort Voskop, 10 Km vor unserem Ziel, dann auf einmal eine neue Straße, wunderbar geteert und alles … gebaut mit Mitteln der EU … ah ja! Uns egal, auf jeden Fall konnten wir so den Pass erklimmen und standen unmittelbar auf dem Dorfplatz.

Vor Ort besichtigten wir drei der wunderschönen Kirchen. Bei der ersten, Shen Kolli (St. Nikolaus), hatten wir Glück und trafen den Priester direkt vor der Tür, der uns ein paar der Malereien erklärte. Bei der zweiten Kirche (Shen Merise/St. Marien) war ein Bautrupp zugang und deshalb die Kirche offen und man musste Eintritt zahlen. Bei der dritten (Klosterkirche St. Johannis) fanden wir den Schlüsselwächter im Garten bei der Mittagspause und konnten ihn in unserem mittlerweile fließenden Albanischen (“Guten Tag – öffnen Kirche – danke”) dazu bewegen, uns hineinzulassen.

Die Kirchen sind in ihrer reichhaltigen Ausgestaltung von Fresken einmalig, und es ist ein tolles Erlebnis, diese lange vergessenen und vernachlässigten Orte zu erkunden. Jede Kirche hat ihre eigen Stimmung, und die Ikonen und Fresken bestechen durch ihre Vielfalt und Farbgestaltung.

Unsere Kirchentour hatten wir übrigens schon gestern Abend direkt in Korça begonnen, mit der Besichtigung der 1995 erbauten neuen orthodoxen Kathedrale (strahlend gold und weiß, sehr hell und freundlich), und in dem Ausflugsdorf, in dem wir zu Abend aßen. Dort war das Marienkirchlein anfangs verschlossen, doch auf dem Weg von dort den Berg hinunter erspähten wir den Priester (erkennbar an der schwarzen Kutte und dem Bart), der mit uns wieder nach oben ging, die Kirche aufschloss und sogar ein paar Takte eines liturgischen Gesanges anstimmte (worauf Claudia es sich nicht nehmen ließ, mit ein paar Takten “Halleluja” zu antworten).

Zurück nach Voskopoja. Wie in Albanien üblich (siehe gestern) nahmen wir dann auch noch ein leichtes Mittagessen ein. Für unsere Verhältnisse waren die Salatplatte, Pommes, Tzatziki, Schweinekoteletts und Käsebörek eine reichhaltige Mahlzeit, aber im Vergleich zu den Essensmassen, die an den Nachbarstischen gereicht wurden, sah es bei uns eher nach einem kleinen gemischten Vorspeisenteller aus 😉

Nachdem unser treuer Ford C-Max uns wieder erfolgreich über alle Schlaglöcher nach Korça gefahren hatte, beschlossen wir, ihm auch was Gutes zu gönnen, und fuhren bei einer “Lavazh Special” vor. Diese Schilder sieht man alle paar Meter, sie führen zu Waschanlagen für Autos, wo die guten Stücke von Hand zu Hochglanz poliert werden. Unsere Anwesenheit am Waschplatz löste ein großes Hallo aus. Das Auto wurde liebevoll von Hand gewienert, während wir einen Kaffee einnahmen, und steht jetzt blau strahlend vor der Pension. So, der Worte sind genug gewechselt, nun lasset Bilder sprechen!

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Über 1000 Kurven nach Korça

Heute stand also die Königsetappe unseres Urlaubs an. Von Gjirokasta nach Korça. Sagenumwobene 191 km. Eine Kurve an der anderen, ein Schlagloch am nächsten. Durchschnittsgeschwindigkeit 30km/h. Aber die Landschaften, die man unterwegs sieht: einmalig. Nun der Reihe nach … eines der ersten Highlights kommt schon 50 km nach Gjirokastra in der Nähe von Permet. Eine osmanische Bogenbrücke und … direkt daneben eine Thermalquelle, wo die Einheimischen zum Baden hinkommen. Mit leichtem Unbehagen nähert man sich der Abzweigung von der Hauptschüttelpiste…. doch was ist das? Die Schweizer haben da eine nagelneue Straße hingezimmert. Keiner weiß warum, aber 7 km feinster Asphalt. Nach diesem tollen Einstieg war es nur natürlich, dass man die letzten 500 m., um in die Nähe der Brücke zu gelangen, mehr oder minder durchs Flussbett fahren muss, so fühlte sich der Weg zumindest an. Naja, nach den Erfahrungen der letzten Wochen ist diese moderne Form des Straßenraftings ja kein Problem mehr für Fahrer und Beifahrer. Die Brücke (siehe Bild) ist wunderschön, und wenn man sie überquert, gelangt man an gleich an einen kleinen Pool der Thermalquelle. Hier ließen wir es uns gutgehen, bevor wir uns wieder auf den Weg machten.

Ich hab ja nichts gegen Passstraßen, auch nichts gegen enge Passstraßen, aber was einen auf dem weiteren Weg nach Korça erwartete, war mal wieder vom Feinsten. Der Straßenbelag wechselt ständig zwischen Asphalt alt, neu, brüchig oder nihilistisch. Dafür wird man ständig mit neuen Ausblicken belohnt, die einmalig sind. Zum Glück hält sich die Anzahl an Autos in Grenzen. so dass man die ganze Straße zum Schlagloch-Umkurven nutzen kann.

Nach dieser eindrucksvollen Fahrt kamen wir am späten Nachmittag in Korça an. Über die Stadt und die Kirchen der Umgebung werde ich morgen mal ausführlich schreiben. Heute will ich zum Abschluss doch noch mal was zum Thema Essen berichten.

Von unserer Pension wurde uns eine Ausflugsgasthof in einem Dorf in der Nähe empfohlen. In Albanien gibt es laut den Albanern in solchen Dörfern das beste Essen, und deshalb pilgern sie an den Wochenenden in die Berge, um sich mit guten Lammfleisch und sonstigen Köstlichkeiten bekochen zu lassen. Prima, wir also los und dort auch freundlich empfangen worden. Nach längeren Verhandlungen mit dem Kellner auf Italienisch und Englisch (Claudia war mal wieder in ihrem Element) hatten wir mehrere Sachen bestellt. Was wir nicht ahnten war, welche Essensmassen sich hinter der harmlosen Bezeichnung „1 Portion“ verstecken würden.

Salat mit gebratenem Gemüse (halbe Tischplatte mit Salat und gebratenen Auberginen und Zucchini, Kartoffeln, Rote Bete, Blumenkohl etc.)
Xaxiki/Tzatziki (4 gehäufte Esslöffel)
Lammrippchen (großer gehäufter Teller)
Pommes (großer gehäufter Teller)
Börek (Portion hieß hier 2 große Teller gehäuft, nach lokaler Art gefüllt mit Zwiebeln und Tomaten)
Bohnen (Suppenteller)
Brot

… dazu noch Bier, Wasser, Kaffee …. und zum Abrunden der allgegenwärtige Raki, der hier in diesem Land alles bedeuten kann, außer Anisschnaps. Diese Mal leckeren Maulbeerschnaps, Das Ganze für … 7 Euro pro Person!

So, jetzt aber gute Nacht, mir fallen fast schon die Augen zu!

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