Davit Gareja – Höhlenklöster auf dem Mond

2016-10-07-11-37-30Nach unserem Kurzbesuch in Sighnaghi, wo wir noch einen sehr unterhaltsamen Abend verbrachten – und  nach 2 Liter Wein und 3 Litern Bier, neben 2 neuen polnischen Freunden  nebenbei auch noch ein 27 jähriges gestandenes georgisches Mannsbild als Sohn adoptiert bekommen haben, ging es morgends etwas schwieriger als gewohnt um 9 Uhr los.

Ich merke schon, die geneigte Leserschaft fragt sich was an dem Abend denn so lustiges passiert ist – aber darauf werde ich in einem gesonderten Blog eingehen – nur soviel vorab, wer in Sighnaghi im Zandarashvili Guesthouse übernachtet gehört von der ersten Minute zur Familie und so wird man auch behandelt.

Aber zurück zu unserer Fahrt auf den Mond – natürlich denkt sich jetzt jeder nach 5 Litern Alkohol ist es kein Wunder, dass wir uns auf dem Mond wähnten – aber weit gefehlt, wer sich auf den mühsamen Weg an die aserbajdschanische Grenze macht wird mit jedem Kilometer mit immer neuen kargen Felslandschaften beeindruckt. Die Gegend ist so einsam und unwirtlich, dass man sich nicht mehr auf der Erde wähnt.

img_5836Dorthin zu kommen ist aber leichter als man am Anfang denkt – unser freundliches Guesthouse organisiert eigentlich jeden Tag eine Fahrt mit dem Kleinbus dahin und wer nicht wieder nach Sighnaghi zurück will wird auf halber Strecke in ein Taxi nach Tiflis gesetzt. Der Preis für diesen Ausflug ist unschlagbar – der Bus mit Fahrer kostet umgerechnet 60 Euro, in unserem Fall hieß das 10 Euro pro Person für eine 2 stündige Fahrt über Straßen, die auch albanischen Verhältnissen zur Ehre gereicht hätten – vor Ort wartet der Fahrer über 2h auf einen und fährt einen dann je nach Wunsch zum Taxistopp oder wieder die vollen 2h zurück. Dabei immer freundlich und hilsbereit.

Aber kommen wir zurück zum Grund der Anreise – ganz am Ende der Straße liegt einer der bedeutendsten Höhlenklosterkomplexe der Kaukasusregion. Die meisten Besucher sehen sich nur die wenigen schon touristisch erschlossenen Bereiche an, die man in einer guten halben Stunde besichtigen kann – wer aber wirklich was erleben will, muß nach Aserbaidschan wandern.2016-10-07-11-37-26

Wie bitte? Ja genau hier steht ein Grenzübertritt an –  aber alles im kleinen Grenzverkehr – ähnlich wie die Grenze zwischen Tirol und Bayern wandert man direkt auf der Kammlinie mal auf muslimischem mal auf orthodoxem Boden – die Pföstchen markiern hierbei den genauen Grenzverlauf…


Aber bevor das Abenteuer beginnen kann muß man erst einmal eine dreiviertelstunde stramm bergauf auf einem Trampelpfad die Kammlinie erklimmen. Dort wird man von 2 sehr freundlichen georgischen Grenzern begrüßt, die einem im besten englisch den Weg auf die Grenzlinie weisen mit dem Hinweis dort gibt es sehr interessante Fresken zu entdecken. Wenn wir schon so freundlich zum grenzlichen Ungehorsam aufgefordert werden nehmen wir das doch gerne an – und der freundliche Herr hatte wirklich Recht: neben vielen halbverfallenen Höhlenkirchen waren auch die eine oder andere dabei, in der man noch wunderschöne Fresken entdecken konnte.


Der Abstieg war dann wieder sehr steil und teilweise auch richtig schwierig, so dass unsere chinesische Mitreisende das eine oder ander Mal doch arg ins straucheln geriet – aber gemeinsam schaften wir es zurück zu unserem Bus. Und nach einer Stunde Geschaukel über die schönsten Schlaglöcher Georgiens wurden wir in ein altersschwaches Taxi verfrachtet, dessen Fahrer gefühlt die 80 auch schon erreicht hatte, was ihn aber nicht von einem forschen Fahrstil abgehalten hat.

Dieser Ausflug ist wirklich recht anstrengend aber man wird mit sovielen einmaligen Eindrücken belohnt, allein schon die unwirkliche Landschaft machen die Fahrt zu einem Erlebnis, aber zusammen mit den Höhlenkirchen bietet sich einem eines der eindrücklichsten Erlebnisse in diesem Urlaub.

……und versprochen, ich werde in naher Zukunft auf unser georgisches Kind zurückkommen und seine unschlagbare Art einen Toast auszubringen – so, morgen ist eher ein ruhiger Museumstag – mal sehen was es da so zu entdecken gibt.

 

 

2 Gedanken zu „Davit Gareja – Höhlenklöster auf dem Mond

  1. Waltraud Elitez

    Dieser Ausflug ist wirklich ein Highlight. Wenn ich den Pfad sehe,den ihr gehen musstet um diese Sehenswürdigkeiten zu erreichen, kann ich mir vorstellen, dass dies kein gemütlicher Spaziergang war.
    Wir freuen uns, dass ihr dort wart und wir den Blog lesen und die Bilder davon sehen können. Danke!!

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  2. Claudia

    Also der Alkohol scheint aber nicht richtig funktioniert zu haben, wenn ihr noch auf der Kammlinie herumturnen und „aserbajdschanisch“ buchstabieren konntet 😉

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