Archiv für den Monat: Dezember 2011

Argentinien – Fun Facts

Faszinierenderweise hat Argentinien uns mehr überrascht als die anderen Länder zuvor. Ursprünglich hatten wir von Argentinien doch eine viel stärker europäische Metropole erwartet und waren jetzt doch überrascht, wie einerseits sehr viele europäische Elemente eine Rolle spielen, aber in wievielen anderen Dingen die Argentinier einen eigenen Weg gegangen sind. Als Erstes die Essenszeiten, die sind definitiv spanisch, vor 10 Uhr abends essen ….. geht gar nicht. Dann denkt man wieder, man ist in London, wenn man sieht, wie die Portenos sich brav an der Bushaltestelle in Reihe anstellen, um in den Bus einzusteigen. Dann wieder zurück zum Essen. Ich dachte ja immer es gäbe italienische und amerikanische Pizzas …. dünn versus dick… dann steht man hier in der Pizzeria und findet eine neue Variante von Pizza…. sehr dick mit der Füllung in der Mitte (vertikal nicht horizontal.). Darüber hinaus übertrifft die verwendete Menge an Käse jede amerikanische Pizza und der Käse nennt sich Mussarela, hat aber mit Mozzarella so gar nichts zu tun… Darüber hinaus  kann man in der Pizzeria auch gleich eine Riesenauswahl an Empanadas kaufen ….. ach ja kaufen: wer hätte gedacht, dass man bei Nudelgerichten zuerst die Pasta kauft und dann die Sauce noch mal extra bezahlt – teilweise je nach Form der Pasta und Art der Sauce?
Bier ist auch ein wichtiges Thema, so wichtig, dass die normalen Flaschen 970 ccm enthalten – 1l ? das gibts ja noch nicht mal in Bayern ;-). Und nur Touristen erhalten kleinere Flaschen ….
Kommen wir als Nächstes zum Thema Fleisch. Also die Mengen, die die hier verdrücken, sind doch ungewöhnlich. Gestern Abend waren wir beim Metzger um die Ecke, um für das Silvester-BBQ einzukaufen. ….hmm 7 Leute da solltet ihr mindestens 4 Kilo Fleisch kaufen und noch ein paar Würste dazu …. wow! Vorsichtige Nachfrage – 4 Männer und 3 Frauen = 4 Kilo Fleisch …..ja ja das stimmt schon, eher noch ein bisschen mehr, ist ja eine Feier – aha !!! Der Ausflug zum Metzger war auch insofern interessant, da man mal wieder sah, dass ohne Beziehungen das Leben immer komplizierter ist …. Wir Touristen schlugen dort auf und fingen an unsere Bestellung zu radebrechen und wurden misstrauisch beäugt ….aber sobald wir den Namen von unserem Hostel und dass wir von Alan (dem netten Rezeptionisten) kommen, rüber gebracht hatten, waren wir auf einmal alle Freunde und der Preis, der sowieso schon lächerlich war, fiel noch einmal um ein paar Prozent … zum Schluss zahlten wir für 4 kg Fleisch (inklusive Würstchen)  25 Euro …. für bestes argentinisches Rindfleisch – unfassbar ….

So … da wir hier unseren Rhythmus etwas dem hiesigen Leben angepasst haben, werden wir erst sehr spät zur Besichtigung aufbrechen und dann uns in das Abenteuer Silvester-BBQ stürzen 😉 Wir wünschen euch ein tolles Neues Jahr und wir werden morgen über die Ergebnisse berichten.

Kurztrip nach Uruguay

Nach dem harten Großstadtprogramm gestern haben wir heute einen relativ entspannten Tag verbracht. OK, wir mussten um 6 Uhr aufstehen und um 7 Uhr am Hafen antreten, ca. 1 Stunde in verschiedenen Schlangen anstehen und unsere Pässe mit weiteren Stempeln füllen lassen. Aber dann fuhr irgendwann unsere Fähre, und nach anderthalb Stunden Überfahrt über den Rio de la Plata landeten wir im 8. Land unserer Weltreise: Uruguay.

Im Weltkulturerbe-Städtchen Colonia del Sacramento hatten wir ein paar Stunden Zeit, bis die Fähre zurückfuhr, und konnten in Ruhe herumschlendern, Kaffee trinken und Eis essen, die lokale Hamburger-Variante und Gnocchi essen und aufs Wasser schauen. Im Gegensatz zu Buenos Aires geben hier die Autofahrer kein Gas, wenn Fußgänger vor ihnen die Straße überqueren, die Geldautomaten rücken ohne Murren Geld heraus, und es roch nach frisch gemähtem Rasen statt Abgasen 🙂

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Nach unserer Rückkehr sind wir dann im Hostel versackt, wo wir ein schwäbisch-hamburgisches und ein Schweizer Pärchen kennen gelernt haben, mit denen wir morgen Abend zu Silvester auf der Dachterrasse grillen werden. Mehr zum Thema Fleisch-Einkäufe in Argentinien morgen, dazu ein Bericht von weiteren Besichtigungen – wenn wir dazu nicht zu faul sind 😉

Einen schönen letzten Tag im Jahr 2011 und viele Grüße aus Buenos Aires!

Buenos Aires – Modell New York mit europäischem Flair

Nach dem Samba und dem Strandleben in Rio de Janeiro machten wir den kurzen Sprung (3h Flug) nach Buenos Aires … um im Bild zu bleiben: der Stadt des Tangos und des Shoppings ;-).

Nach einer kurzen Nacht stürzten wir uns ins Gewühl der Großstadt. Im Vergleich zu den anderen lateinamerikanischen Städten, die wir gesehen haben, hat man hier ein viel stärkeres europäisches Flair: Die Kathedrale beispielsweise könnte genauso auch in Italien oder Spanien stehen, die vielen Cafés erinnern an Italien, Spanien oder auch Österreich. Gleichzeitig kommt einem die Innenstadt mit den den engen Straßen und den hohen Häusern schon wie ein Modell von New York im kleineren Maßstab vor.

Darüber hinaus ist das Thema Shopping viel präsenter: Ein Verkaufstempel reiht sich an den nächsten in der Innenstadt.
Die Stadt ist in Blocks angelegt und ist somit auch für den Ortsunkundigen ziemlich leicht zu erkunden.

Unser Besichtigungsprogramm des heutigen Tages bestand hauptsächlich aus den wichtigsten Innenstadtbereichen Retiro, Microcentro und Constitucion. Obwohl wir mit Mexico City, Lima und Rio ja bisher auch recht große Städte auf der Liste hatten, überraschte uns die Menschenmenge in Buenos Aires doch etwas.

Und nach 4h hartem Besichtigungsprogramm braucht man doch immer wieder Pausen. Neben dem guten Kaffee, der dank den vielen italienischen Einwanderern an jedem Straßeneck zu bekommen ist, ist Essen und hier natürlich das argentinische Rindfleisch überall präsent. Selbst mitten in der Fußgängerzone wird Fleisch direkt vom offenen Holzkohlegrill verkauft.

Da wir auf der anderen Seite in einem stark spanisch geprägten Land sind, sollten wir mit dem Abendessen (wir träumen von einer guten Pizza) dafür bis ca. 22 Uhr warten … für die Touristen gibt es wahrscheinlich schon um 8 was zu essen, aber nur als Ausnahme 😉
So, morgen machen wir einen Tagesausflug nach Uruguay; den Rest von Buenos Aires heben wir uns für Silvester auf.

Christus in Wolken – Normaler Tag in Rio

Heute hatten wir uns fest vorgenommen, eine der Hauptsehenswürdigkeiten Rios anzuschaun. Den Cristo Redentor, die 30 m hohe Christus-Statue, auf dem Corcovado. Also heute morgen in den Bus gestürzt und nach einer gefühlten Irrfahrt kreuz und quer durch Ipanema, Leblon und Sao Cristavao auch wirklich am Fuße des Berges und dem Ausgangspunkt der Zahnradbahn angekommen. Aber leider hüllte sich der Berg in düstere Wolken, und damit war auch nicht mit einer großartigen Aussicht zu rechnen.

Also gut, wenn er uns nicht sehn will …. dann gehn wir halt in den Botanischen Garten. Der Garten ist wirklich eine sehr schöne Anlage im Norden von Leblon, und wir verbrachten dort einen sehr ruhigen und entspannten Vormittag. Hier eine kleine Auswahl an Botanik-Bildern für alle Gartenfreunde:

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Rückzugs entschlossen wir uns dann, nicht mehr den Bus zu nehmen, und wanderten an der großen Lagune, die im Inneren hinter den Stränden von Ipanema liegt, zurück zu unserem Hotel. Rio ist eine sehr quirlige und lebendige Stadt, und es macht Spaß, tagsüber durch die Straßen zu flanieren, das Strandleben zu genießen oder in einer der unzähligen Cafeterien, Bars, Restaurants oder Eisständen abzuhängen.

Churrascaria – Brasilianisches Steakhaus

… es tut uns ja Leid, aber wir müssen wieder mit dem Thema Essen anfangen. Nachdem wir uns gestern Abend in Paraty eher mit den flüssigen Genüssen Brasiliens auseinandergesetzt haben – Cachaça in Form von Caipirinhas ….  man hat das Gefühl die Jungs lassen den Lime Juice komplett weg …. 😉

Zum Ausgleich war heute Abend eine Churrascaria in Rio angesagt. In dieser brasilianischen Variante des Steakhauses zahlt man einen Fixpreis und kann dann einerseits vom Buffet und anderseits vom angebotenen Fleisch essen, bis der Arzt kommt. Einzig die Getränke sind nicht im Preis inbegriffen.

Also starten wir mal mit dem Buffet: Die diversen Nudelsalate, Nudelgerichte, Paellas, Bohnen- und sonstige Eintöpfe und Suppen lässt der Kenner – obwohl sie verlockend aussehen – gleich mal links liegen. Für den ersten Gang empfiehlt sich Sushi und Sashimi, das in mindestens zehn Varianten daherkommt. Sehr wichtig für später auch das Wasabi, der Essiggurkensalat und der Ingwer – hilft bei der Verdauung, darf also immer wieder nachgeschaufelt werden. Als zweiten Gang vielleicht ein Teller mit verschiedenen Salatvarianten (Blattsalate, Gemüsesalate, Obstsalat – für Nudelsalat & Co. hat der Magen wie gesagt nicht wirklich Platz). Dann kann man noch über das diverse marinierte Gemüse nachdenken – Spargel, Zwiebeln, Palmherzen, Auberginen … und ganz hinten stehen noch ein paar Riesen-Laibe Käse, aber wer das alles essen soll, ist uns ein Rätsel.

Denn eigentlich ist man ja wegen des Fleisches hier, das ständig von den Kellnern brutzelnd heiß direkt an den Tisch gebracht wird und frisch vom Spieß geschnitten wird!

Hier mal ein kurzer Auszug der verschiedenen Fleischsorten (in Pidgin English) – Quelle: http://www.carretaochurrascaria.com.br/en/kinds-of-beef (dann wisst ihr auch gleich, wo wir waren):

Peeled rump
With a little fat, is one of the finest cuts and tasty BBQ. The kernels of the rump cut up the baby beef, meat tender and juicy that you find in Carretão.

Picanha
It is required to cut more barbecues, being soft and have a distinctive flavor. The Carretão prepares the steak in several ways: the traditional skewer with garlic, baked in stone, and even the tip of the sirloin, the noblest part of the flesh.

Titty tip or rump
Extracted from the bottom of the rump, is soft, fibrous and very tasty. It is even more delicious when served to the last point or bad. Here you experience the irresistibletitty traditional spit.

Filet mignon
Soft and slightly sweet taste, is considered by many to cut more noble. In Carretãoleave you enchanted with the traditional beef tenderloin on a skewer, steak with garlic and a delicious filet mignon with cheese.

Diaper
Very tasty and good meat roasting. It should not be overcooked. It is considered oneof the best meats to barbecue. The Carretão offers traditional flank on the spit, always very special.

Termite
It is a cut muscle fiber and fat. It has nice flavor and taste. You can taste it, appetizing, spits in the Carretão.

Tenderloin
It is soft, tasteless and extremely sharp and fat, which keeps juicy. The Carretãobrings you the famous Argentinian rib-eye.

So viel Essen – an die vielen Nachtische, die auch noch angeboten worden wären, konnten wir überhaupt nicht denken. Nach zwei Stunden langsamen, gut eingeteilten Genusses mussten wir aufgeben. Etwa 5 Kilo schwerer und 50 Euro leichter verließen wir das Lokal und werden nun noch einen Spaziergang an den großen See machen, um nachher schlafen zu können. Gute Nacht 😉

Weihnachtsmesse auf Brasilianisch

Nach all der Strandidylle wollte ich vorgestern doch nicht vergessen, dass Heiligabend war. Also ging ich um neun Uhr abends in die Weihnachtsmesse in der Kirche Matriz Nossa Senhora dos Remédios, die am alten Hauptplatz von Paraty schräg gegenüber von unserem Hotel liegt.

Im Gegensatz zu den reich verzierten mexikanischen und peruanischen Kirchen, die wir besichtigt haben, ist dieses Gebäude hell und schlicht – ein sehr hoher, langer Raum, ganz in Rosa, Gelb, Grau und Weiß, mit dezenten Barockverzierungen, einem Hauptaltar und wenigen Seitenaltären, von denen einer zugunsten einer fast lebensgroßen Krippendarstellung verhängt war. Über dem Hauptaltar sind in vielen Wandnischen große Blumensträuße in Rosa und Weiß aufgestellt, und als Weihnachtsdekoration hingen goldene Sterne an blauen Bändern von der Decke.

Die Messe war gut besucht, wenn auch nicht überfüllt; Menschen aller Altersgruppen (und aller Hautfarben) in leichter Sommerkleidung. Am Eingang bekam jeder, der wollte, eine Kerze und die ausgedruckte Liturgie – vier eng beschriebene A4-Seiten, laut Impressum zentral produziert in São Paulo. Da ich Portugiesisch zwar mündlich kaum verstehe, aber recht gut lesen kann, war ich damit in der Lage, die Lesungen, Lieder und Gebete mitzuverfolgen.

Über zwei Stunden dauerte die Messe. Die erste halbe Stunde fand im Dunkeln statt, nur erleuchtet von den vielen Kerzen der Besucher. Danach wurde das Licht wieder angemacht, und auch die Ventilatoren sprangen an – eine Erleichterung nach der weihrauchgeschwängerten Schwüle am Anfang.

Gleich am Anfang gab es ein mir vertrautes Lied – „Hört der Engel helle Lieder“, natürlich auf Portugiesisch. Zwischendurch ein weiterer europäischer Klassiker, „Herbei, o ihr Gläubigen“. Die übrigen Melodien kannte ich nicht, viele Lieder klangen ähnlich wie Taizé-Gesänge, das „Heilig, heilig“ eher wie ein schmissiges russisches Tanzlied. Alle Gesänge wurden mit Gitarre, teils auch mit Flöte begleitet (eine Orgel habe ich in der Kirche nicht gesehen). Zwei gute Vorsänger mit Mikrofon dominierten den Gesang, die Gemeinde sang mehr oder weniger verhalten mit.

War anfangs nur ein Lektor zu sehen, der die Gemeinde begrüßte und die ersten Lesungen vortrug, füllte sich der Altarraum nach und nach mit vielen weiteren Aktiven, die in insgesamt vier oder fünf Prozessionen durchs Haupttor einzogen: der Hauptpriester, der die Predigt hielt und das Abendmahl vorbereitetet, mehrere weitere Priester und Helfer (darunter auch Frauen), Ministranten und Ministrantinnen und viele Würdenträger in weiß-grün-goldenen Gewändern. Die Prozessionen waren sehr beeindruckend, da alle Beteiligten weiß gekleidet waren, Kerzen, Kreuze und Weihrauchgefäße dabei hatten und die Gemeinde sich jedes Mal erhob und ihnen entgegensah. Eine der Prozessionen bestand nur aus Frauen, eine aus Eltern mit Kindern.

Nachdem die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium vorgelesen worden war, kam eine kleine, aber besonders anrührende Prozession: Ein junges Paar in Maria-und-Joseph-Verkleidung trug ein winziges Baby (mit Schnuller) zum Altar und legte es dort in eine Krippe. Das Baby schrie zweimal genau im richtigen Moment (als verschiedene Gesänge endeten) und bekam danach auch Applaus von der ganzen Gemeinde.

Nach dem Abendmahl (generalstabsmäßig organisiert an mehreren Punkten der Kirche ausgeteilt), den Fürbitten und dem Segen lud der Priester die Gemeinde ein, gemeinsam mit ihm aus der Kirche zu ziehen und als große Prozession einmal um den Hauptplatz zu gehen, um die Weihnachtsbotschaft in die Stadt hinauszutragen. Dazu wurden die Kerzen wieder angezündet, und mehrere Hundert Menschen zogen langsamen Schrittes, von Gesang begleitet, im Dunkeln um den Platz. Als wir an unserem Hotel vorbeikamen, setzte ich mich ab und ging wieder in die Lounge. Man konnte die Gesänge und Gebete aber noch etwa eine halbe Stunde lang hören.

Wie ich von unserer Wirtin erfuhr, versucht diese Gemeinde durch viele „jugendliche“ Elemente mehr jüngere Leute für die Kirche zu interessieren (und auch der Beginn dieser Messe – neun Uhr statt Mitternacht – ist ein Entgegenkommen).

Insgesamt ein sehr beeindruckendes Erlebnis und eine schöne Mischung aus vertrauten Elementen und ganz neuen Interpretationen von Weihnachten!

Zum Abschluss für die sprachlich Interessierten hier noch der portugiesische Text von „Stille Nacht“, das zum Abschluss der Messe auf dem Programm stand. Zwar wich die Gemeinde hier von den Vorschlägen aus São Paulo ab und sang als „Rausschmeißer“ eine lokale Version von „Jingle Bells“ … aber ich bleibe beim Klassiker und wünsche euch allen damit eine besinnliche Zeit mit euren Lieben:

Noite feliz! Noite feliz!
Ó Senhor, Deus de amor!
Pobrezinho nasceu em Belém;
eis, na lapa, Jesus, nosso bem:
dorme em paz, ó Jesus!
Dorme em paz, ó Jesus!

Noite feliz! Noite feliz!
Ó Jesus, Deus da luz!
Quão afável é teu coração
que quiseste nascer nosso irmão
e a nós todos salvar!
E a nós todos salvar!

Noite feliz! Noite feliz!
Eis que, no ar, vêm cantar,
aos pastores, os anjos do Céu,
anunciando a chegada de Deus,
de Jesus Salvador!
De Jesus Salvador!

Heiligabend in Paraty

… da es hier in Brasilien an Schnee mangelt, mussten wir den Tag notgedrungen mit weißen Stränden und blauem Meerwasser gestalten. Wir wünschen euch allen eine geruhsame Weihnachtszeit, schöne Stunden mit der Familie und viel Erholung. Wir werden heute abend an euch denken und einen Caipi für euch mittrinken. Und ja – unsere Berichte werden nach Weihnachten auch wieder etwas ausführlicher werden.
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Paraty

Heute ging es aus der großen Stadt 260km Richtung Süden nach Paraty. Paraty ist ein wunderschön gelegener historischer Ort, der neben seinem komplett erhaltenen Stadtbild aus dem 17. Jh. viele Möglichkeiten zum Baden und Relaxen bietet. Hier werden wir die Weihnachtstage mit Faulenzen verbringen. Unsere einzigen Aufgaben heute: vorgebuchten Bus von Rio nach Paraty nehmen – dabei die schöne Dschungel- und Küstenlandschaft besichtigen – uriges altes Hotel mitten im Ortskern beziehen – vorsichtig durch den Ort spazieren und Eis essen – im badwarmen Meer und am glühend warmen Strand abhängen – entscheiden, welchen der vielen Caipirinha-Stände wir mit unserem Besuch beehren. Mehr sog ich net, denn jetzt ist Urlaub! Hier eine kleine Bildergalerie, um euch einen Eindruck zu geben.

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Buena Vista Social Club – Rio de Janeiro

Nach unserer wunderschönen Zeit in Peru haben wir gestern abend rechtzeitig vor dem angekündigten Fluglotsenstreik den Absprung aus diesem tollen Land geschafft. Nach gerade mal 5h Flug, dieses Mal transkontinental vom Pazifik an den Atlantik, sind wir heute mit geringer Verspätung in Rio gelandet.

Wie es meine Art ist, muss ich als erstes mal über den Flughafen und den Transport meckern, bevor wir zu den schönen Seiten Rios kommen 😉 Der Flughafen: ein Traum aus 70er-Jahre-Beton, unübersichtlich und so dermaßen grau in grau, dass es einem schon ganz fahl wird. Dort fällt man nach 5h Flug morgens um 6 aus dem Flieger, und nach zügiger Pass- und Zollkontrolle steht man in der Ankunftshalle … allein … hmmm keine Info keine Schilder kein nix … es muss doch einen Geldautomaten geben, oder? Also erst mal die Info fragen, die findet man immerhin nach kurzer Zeit. Geldautomat, ja haben wir, aber nicht auf der internationalen Ankunftsebene, sondern auf der dritten im letzten Winkel ein paar Maschinen, die nur Eingeweihte finden dürfen – alle anderen laufen irgendwann den überaus präsenten Geldwechslern in die Arme. Und wo bitte fährt zwischen all den Taxischildern der Flughafenbus? Einfach rausgehen, aber natürlich wieder auf Ebene 1.

Na ja, nach etwas Frühsport waren wir dann doch endlich im Bus. Der Transport nach Ipanema, wo unser Hostel liegt, ist gelinde gesagt eine Katastrophe. Der Verkehr mitten durch die Innenstadt bricht ständig zusammen, und die vielen Busse, die für Entlastung sorgen sollen, stehen sich meist selbst im Weg, so dass man für die Strecke sagenumwobene 2h braucht, bis man im Hotel ist. Also ich werde mich nicht mehr über München und seine Anbindung an den Flughafen beschweren. Wie die Jungs hier ihre Transportprobleme bis zur WM 2014 und vor allem zur Olympiade 2o16 bewältigen wollen, ist mir ein völliges Rätsel …

So, nun aber genug gejammert, kommen wir zu den schönen Seiten von Rio. Da wollen wir doch gleich mal Claudia befragen, die hier zum ersten Mal ist.

*** Claudia sitzt mit einem breiten Grinsen im Gesicht auf dem Bett. Nach anderthalb Caipirinha, viel gutem Essen und vor allem dem Strand-Flair von Ipanema und der Copacabana ist der ungemütliche Nachtflug längst vergessen. Noch am Vormittag warfen wir uns in unsere Badesachen samt kurzer Hose bzw. Wickelrock und schlappten zum Stand von Ipanema, der nur drei Minuten Fußweg von unserem Hostel entfernt liegt. Ein unfassbarer Anblick, auch wenn man davon in Reiseführern gelesen hat: Direkt hinter den Hochhäusern und Flaniervierteln der Millionenstadt liegt ein kilometerlanger weißer Sandstrand mit Hunderten roten Sonnenschirmen und Tausenden Menschen, die sich sonnen oder im Meer tummeln. (Zum Glück sahen wider Erwarten nicht alle aus wie Supermodels, so dass sich auch die durchschnittliche deutsche Touristin dort gut aufgehoben fühlt.)

Die tosenden Wellen waren überraschend kalt, und so verzichteten wir erstmal aufs Schwimmen (laut Thermometer betrug die Lufttemperatur angeblich auch nur 26 Grad, aber es fühlte sich deutlich nach über 30 an) und spazierten am Strand entlang. Nach etwa einer halben Stunde Fußmarsch durch Ipanema biegt man um die Ecke und sieht den Strand der Copacabana vor sich – der NOCH viel länger um die ganze Bucht geht. Bei all der Hitze brauchten wir mehrere Kokosnüsse zum Austrinken, einen Espresso und den ersten Caipi des Tages, um bei Kräften zu bleiben.

Mehr Besichtigungsprogramm nahmen wir uns für diesen Tag gar nicht vor, sondern machten noch Siesta im Hotel (die 3 Stunden Zeitverschiebung von Lima her machten sich bemerkbar) und schlossen Bekanntschaft mit der brasilianischen Küche (mittags Sushi in Waffeleisform, abends sehr lecker gewürztes Grillhähnchen mit Broccolireis), das Ganze immer höchstens zwei Blocks entfernt vom Strand in einem Weggehviertel, wo offenbar Tag und Nacht der Bär steppt – fast nur gut gelaunte Leute jeden Alters in Badeklamotten. Damit übergebe ich wieder an Attila. ***

Abschließend muss ich euch noch von unserem tollen Abend am Strand von Ipanema berichten. Wir hatten es uns mit unserem Caipirinha an einem Kiosk in der Nähe unseres Hostels bequem gemacht, als ein älterer Herr seine Bassgitarre auspackte und anfing, im Stile eines Fados lang, wehmütig und genussvoll zu singen. Mehrere ältere Herren waren mit Begeisterung dabei und beteiligten sich mit Rhythmusinstrumenten und auch einem Saxophon. Für diesen einmaligen Musikgenuss waren wir auch gerne bereit, ein paar Reais zu spenden.

Morgen geht es weiter nach Paraty, wo wir dann so richtig faule Weihnachtstage verbringen werden. Euch allen liebe Grüße aus Brasilien und schöne Feiertage, wo immer ihr seid!